Um 5:30 Uhr klingelte das Telefon,
irgendein Idiot hatte sich wohl verwählt und riss uns aus dem Schlaf. Zum Glück
konnten wir danach direkt wieder einschlafen und standen erst zur geplanten
Uhrzeit auf. Den Morgen ließen wir es ruhig angehen und packten in aller Ruhe
unsere Koffer, machten uns fertig, aßen unser Frühstück und planten den Tag.
Heute sollte es nach Dallas gehen und dann im Anschluss zum Hotel in Arlington,
was etwa 20 Minuten westlich liegt.
Es waren 30 Grad vorhergesagt,
daher zogen wir uns unsere kurzen Sachen und cremten uns gründlich mit
Sonnencreme ein. Ich kann mich gar nicht
mehr erinnern, wann ich das letzte Mal im November nur annährend so schönes
Wetter hatte. Wir waren jedenfalls sehr froh über dieses Wetter und werden hier
jeden Sonnenstrahl einfangen, denn auch in Texas fängt langsam der Winter an
und die Temperaturen werden nicht immer so hoch bleiben.
Bevor wir los konnten, mussten wir
noch unser Auto etwas präparieren. Die Koffer mussten einfach alle in den
Kofferraum, egal wie. Wir entfernten also die Kofferraumklappe, den
zusätzlichen Boden samt Teppich und das Reserverad und schon passten die Koffer
mit lose aufliegender Kofferklappe ohne Probleme in den Kofferraum. Rad &
Co verstauten wir auf die Rückbänke, so sah das Auto auch gleich viel weniger
nach Touristen aus.
Die Fahrt nach Dallas war lang,
trotz der langen Fahrt gestern mussten wir auch heute Morgen noch gut 3 Stunden
zurücklegen. Kurz vor Dallas steckten wir dann auch noch in einem Stau und
mussten ständig die Fahrbahnen wechseln, da unser Navi uns immer wieder etwas
Neues anzeigte. Dies war natürlich nicht ganz so einfach, wenn man bei einer 5
Spurigen Autobahn von ganz links nach ganz rechts musste und das bei stockendem
Verkehr. Wer also keine starken Nerven hat oder ein paar Erfahrungen mit dem
Autofahren in einer Stadt, sollte sich vielleicht überlegen lieber den Zug zu
nehmen oder etwas außerhalb von Dallas P+R zu nutzen, dies wird in Dallas auch
angeboten. Wir hingegen hatten mit dem Verkehr jetzt keine größeren Probleme,
auch wenn Stau natürlich immer nervt. Der schönste Moment, wenn man in einer
große Stadt fährt ist immer der, wenn man erstmalig die Skyline vor sich
aufgebaut sieht – immer ein toller Moment der einen viel Vorfreude bringt. In
Dallas angekommen parkten wir unser Auto im Stadtteil West End (der wohl
bekannteste mit den meisten Sehenswürdigkeiten). Auch hier war Parken absolut
kein Problem. Es gab viele freie Parkplätze die alle preislich in Ordnung
gingen. Wir zahlten für den ganzen Tag nur 6 $ (600 Corbin St) und das ist
selbst für deutsche Verhältnisse echt gut.
Unser erstes Ziel war der Dealey
Plaza, also die Ecke wo JFK ermordet wurde. Hier waren diverse Pools und
Springbrunnen, Staturen und Gedenk- und Informationstafeln aufgebaut, die an
dieses Ereignis und die Geburtsstätte von Dallas erinnerten. Der Ort, an dem
JFK in etwa starb wurde mit einem Kreuz markiert und befand sich auf der
mittleren von drei Fahrspuren. Gegenüber hiervon war das Old Red Court House,
in dem sich neben einem Museum auch eine Touristeninformation befand. Wir
gingen also zielstrebig dorthin, beluden uns mit diversen Flyern und fragten
nach, wie wir denn den Big Tex, eine riesen Statue eines Cowboys am Fair Park
am besten sehen können. Gar nicht, war ihre Antwort, denn dieser wird nur für 2
Monate aufgebaut, während einer Art Volksfest.
Na super, eines der Wahrzeichen Texas (so stand es
jedenfalls im Reiseführer) ist in Wirklichkeit nur ein Puzzle aus Teilen was
wie ein Plastikweihnachtsbaum aufgestellt wird.
Wir waren enttäuscht, machten uns
aber dann auf in Richtung des Pioneer Plaza. Da wir jedoch keinerlei Ahnung
hatten, wie weit dieser weg ist, stiegen wir in den kostenlosen Bus, der einen
in Dallas Downtown an fast allen Ecken bringt. Etwas verunsichert stiegen wir
in den Bus und schauten aus dem Fenster um die Fahrt auf der Karte zu
verfolgen. Das war jedoch vergebene Mühe, wir hatten absolut keinen Plan wo wir
waren, welche Haltestelle wir bereits passiert hatten und wohin dieser Bus
fuhr. An einer Kreuzung entdeckten wir die aufgestellten Buchstaben B und G die
wir natürlich gleich fotografieren wollten. Leider war der Busstopp bereits
vorbei und wir konnten erst beim nächsten Halt raus und den Weg zurückzulaufen.
Die Buchstaben befanden sich direkt vor dem Omni-Hotel, auf dessen „Vorgarten“
die Mitarbeiter in Anzug und Krawatte Frisbee spielten – irgendwie cool
anzusehen, wie viel Spaß die Herren hatten und wie sich diese vermehrten, am
Ende standen da bestimmt so 10 Leute rum. Wir beschäftigten uns hingegen damit,
das perfekte I für das B&G zu sein, ich denke das hat auch ganz gut
funktioniert. Nachdem wir diverse Fotos gemacht hatten, gingen wir die Straße entlang
Richtung Pioneer Plaza (der Reunion Tower war uns mit 16 $ zu teuer und schon
von der Autobahn aus hatten wir gesehen, dass dieser deutlich kleiner ist, als
die Hochhäuser – für einen Aussichtsturm doch eher etwas untypisch.
Am Plaza angekommen, sahen wir sie schon von weitem,
eine riesige Herde Longhorns aus Bronze, welche in einem Park aufgestellt sind.
Der sogenannte Cattle Drive soll an die damalige Zeit, im 1900 Jahrhundert
erinnern und ist ziemlich cool anzusehen. Rund 40 große Longhorns und 3 Cowboys
sind aufgestellt. Diese führen von einem kleinen Felsvorsprung runter und über
einen Fluss. Die Tiere sind ziemlich hoch, trotzdem laden sie förmlich dazu
ein, bestiegen zu werde und ein Bild zu machen. Gedacht, getan und schon
sprang Andreas auf ein Longhorn, riss sich dabei die Hose kaputt und verbrannte
sich, denn die Bronzefiguren die bei 30 Grad mitten in der Sonne standen waren
richtig heiß – wer hätte das nur ahnen können). Wir liefen einfach hoch und
wieder runter, machten einige Fotos und liefen dann zurück zum Bus.
Wir sagten der Fahrerin einfach wohin die Reise gehen
sollte und sie sagte uns Bescheid, wo wir dann aussteigen sollten. Unser
nächster Stopp war der JFK Memorial Plaza, wo ein leeres Grab aufgestellt sein
sollte. Das Grab stellte sich als ein nach oben hin offenen Würfel heraus, der
in der Mitte einen kleinen Gedenkstein mit seinem Namen hatte. Schon eine
bedrückende Stimmung. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein
sehenswerter kleiner Park mit Bänken, Wasserspiel und einer historischen Hütte.
Wir spazierten noch ein wenig durch das West End Viertel, gingen ein wenig
durch die Läden, kauften einen Texasstern als Weihnachtsbaumaufhänger, machten
ein paar Bilder und legten eine kurze Trinkpause in dem wohl dreckigsten und
schlechtesten Lokal des ganzen Stadtteils, dem Gator ein. Was für ein
Scheißladen… die Dachterasse hatte uns irgendwie angelacht, aber das hätten wir
ignorieren sollen. Der Laden war staubig, schmutzig, ungemütlich, hatte eine
miese Getränke- und Essensauswahl und das Servicepersonal hatte von Service
noch nicht viel gehört. Auf der Terasse gab es nur Plastikstühle, es standen
offene Mülleimer rum und der Ausblick war quasi nicht vorhanden. Am liebsten
wären wir bereits nach 10 Minuten wieder gegangen, nur leider hatte sich unsere
Bedienung in Luft aufgelöst und es war niemand mehr da, der sich um den Service
kümmern wollte.
Wir waren froh, als wir dann
endlich wieder im Auto saßen und uns Richtung Motel in Arlington auf den Weg
machten. Arlington liegt quasi genau in der Mitte zwischen Dallas und Fort
Worth und war von beidem nur 30 Minuten entfernt. Die Hotels in Dallas waren
einfach viel zu teuer und da wir am nächsten Tag eh eine Tour durch das Stadion
der Dallas Cowboys planten (welches in Arlington steht), war dies der perfekte
Ort um seine Zelte aufzuschlagen.
Die Fahrt zum Hotel zog sich leider
wieder einmal ewig hin, denn wir standen zur Abwechslung mal wieder im Stau. Es
gab in und um Dallas und Fort Worth unzählige Baustellen, die ganze
Highwayabschnitte sperrten und damit den Verkehr ziemlich chaotisch machten, da
ständig irgendwelche Ausfahrten gesperrt waren oder ganze Abschnitte die das
Navi kannte, einfach nicht mehr existierten.
Am Motel angekommen checkten wir
nur schnell ein um dann gleich weiter nach Fort Worth zu fahren, wir wollten
ins Billy Bob’s Texas, dem weltweit größtem Honky Tonk (was auch immer das sein
soll). Wir zahlten die 2 Euro Eintritt und traten ein in die texanische Welt
des Vergnügens. Das Lokal war riesig und hatte eigentlich alles zu bieten. Man
konnte an diversen Spielautomaten Spiele spielen, es gab Billardtische,
Greifarme für riesige Schaumstoffhüte, Flipper und Airhockey, es gab eine Souvenirladen,
bestimmt 5-8 verschiedene Bars, einen elektrischen Bullen auf dem man für viel
Geld ein Bild machen konnte, eine Bull Riding Arena für richtiges Rodeo (leider
nur am Wochenende), eine riesige Tanzfläche wo tatsächlich Menschen zu normaler
Partymusik diesen komischen Tanz machten (Linedance?) und natürlich ein
Restaurant oder eher Bistro. Ich hatte eigentlich gedacht es sei ein Restaurant
mit diversen anderen Sachen, aber es sind eher diverse andere Sachen mit einer
kleinen Fressecke. Wir bestellten unser Essen an der Theke (wir saßen zunächst
5 Minuten am Tisch bis wir das Schild gelesen hatten, dass man an der Theke
bestellt) und hatten bereits wenige Minuten später unser Abendessen serviert.
Das Essen (Ich hatte Hühnchen und Andreas Rind und Rippchen) war ganz okay, wenn
auch nicht ganz so qualitativ hochwertig wie wir dachten.
Nachdem wir ein wenig Airhockey
gespielt hatten (ich habe gewonnen), viele Fotos gemacht hatten und eigentlich
in jedem Winkel des Lokals mehrfach waren gingen wir raus und liefen zu den
Stockyards, die wir morgen noch einmal besuchen wollten, die aber auch bei
Nacht und beleuchtet sehr interessant aussahen.
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