Mittwoch, 16. November 2016

9. Tag 15.11.2016 (Shreveport - Dallas- Arlington)


Um 5:30 Uhr klingelte das Telefon, irgendein Idiot hatte sich wohl verwählt und riss uns aus dem Schlaf. Zum Glück konnten wir danach direkt wieder einschlafen und standen erst zur geplanten Uhrzeit auf. Den Morgen ließen wir es ruhig angehen und packten in aller Ruhe unsere Koffer, machten uns fertig, aßen unser Frühstück und planten den Tag. Heute sollte es nach Dallas gehen und dann im Anschluss zum Hotel in Arlington, was etwa 20 Minuten westlich liegt.
Es waren 30 Grad vorhergesagt, daher zogen wir uns unsere kurzen Sachen und cremten uns gründlich mit Sonnencreme ein.  Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal im November nur annährend so schönes Wetter hatte. Wir waren jedenfalls sehr froh über dieses Wetter und werden hier jeden Sonnenstrahl einfangen, denn auch in Texas fängt langsam der Winter an und die Temperaturen werden nicht immer so hoch bleiben.
Bevor wir los konnten, mussten wir noch unser Auto etwas präparieren. Die Koffer mussten einfach alle in den Kofferraum, egal wie. Wir entfernten also die Kofferraumklappe, den zusätzlichen Boden samt Teppich und das Reserverad und schon passten die Koffer mit lose aufliegender Kofferklappe ohne Probleme in den Kofferraum. Rad & Co verstauten wir auf die Rückbänke, so sah das Auto auch gleich viel weniger nach Touristen aus.
Die Fahrt nach Dallas war lang, trotz der langen Fahrt gestern mussten wir auch heute Morgen noch gut 3 Stunden zurücklegen. Kurz vor Dallas steckten wir dann auch noch in einem Stau und mussten ständig die Fahrbahnen wechseln, da unser Navi uns immer wieder etwas Neues anzeigte. Dies war natürlich nicht ganz so einfach, wenn man bei einer 5 Spurigen Autobahn von ganz links nach ganz rechts musste und das bei stockendem Verkehr. Wer also keine starken Nerven hat oder ein paar Erfahrungen mit dem Autofahren in einer Stadt, sollte sich vielleicht überlegen lieber den Zug zu nehmen oder etwas außerhalb von Dallas P+R zu nutzen, dies wird in Dallas auch angeboten. Wir hingegen hatten mit dem Verkehr jetzt keine größeren Probleme, auch wenn Stau natürlich immer nervt. Der schönste Moment, wenn man in einer große Stadt fährt ist immer der, wenn man erstmalig die Skyline vor sich aufgebaut sieht – immer ein toller Moment der einen viel Vorfreude bringt. In Dallas angekommen parkten wir unser Auto im Stadtteil West End (der wohl bekannteste mit den meisten Sehenswürdigkeiten). Auch hier war Parken absolut kein Problem. Es gab viele freie Parkplätze die alle preislich in Ordnung gingen. Wir zahlten für den ganzen Tag nur 6 $ (600 Corbin St) und das ist selbst für deutsche Verhältnisse echt gut.
Unser erstes Ziel war der Dealey Plaza, also die Ecke wo JFK ermordet wurde. Hier waren diverse Pools und Springbrunnen, Staturen und Gedenk- und Informationstafeln aufgebaut, die an dieses Ereignis und die Geburtsstätte von Dallas erinnerten. Der Ort, an dem JFK in etwa starb wurde mit einem Kreuz markiert und befand sich auf der mittleren von drei Fahrspuren. Gegenüber hiervon war das Old Red Court House, in dem sich neben einem Museum auch eine Touristeninformation befand. Wir gingen also zielstrebig dorthin, beluden uns mit diversen Flyern und fragten nach, wie wir denn den Big Tex, eine riesen Statue eines Cowboys am Fair Park am besten sehen können. Gar nicht, war ihre Antwort, denn dieser wird nur für 2 Monate aufgebaut, während einer Art Volksfest. Na super, eines der Wahrzeichen Texas (so stand es jedenfalls im Reiseführer) ist in Wirklichkeit nur ein Puzzle aus Teilen was wie ein Plastikweihnachtsbaum aufgestellt wird.


Wir waren enttäuscht, machten uns aber dann auf in Richtung des Pioneer Plaza. Da wir jedoch keinerlei Ahnung hatten, wie weit dieser weg ist, stiegen wir in den kostenlosen Bus, der einen in Dallas Downtown an fast allen Ecken bringt. Etwas verunsichert stiegen wir in den Bus und schauten aus dem Fenster um die Fahrt auf der Karte zu verfolgen. Das war jedoch vergebene Mühe, wir hatten absolut keinen Plan wo wir waren, welche Haltestelle wir bereits passiert hatten und wohin dieser Bus fuhr. An einer Kreuzung entdeckten wir die aufgestellten Buchstaben B und G die wir natürlich gleich fotografieren wollten. Leider war der Busstopp bereits vorbei und wir konnten erst beim nächsten Halt raus und den Weg zurückzulaufen. Die Buchstaben befanden sich direkt vor dem Omni-Hotel, auf dessen „Vorgarten“ die Mitarbeiter in Anzug und Krawatte Frisbee spielten – irgendwie cool anzusehen, wie viel Spaß die Herren hatten und wie sich diese vermehrten, am Ende standen da bestimmt so 10 Leute rum. Wir beschäftigten uns hingegen damit, das perfekte I für das B&G zu sein, ich denke das hat auch ganz gut funktioniert. Nachdem wir diverse Fotos gemacht hatten, gingen wir die Straße entlang Richtung Pioneer Plaza (der Reunion Tower war uns mit 16 $ zu teuer und schon von der Autobahn aus hatten wir gesehen, dass dieser deutlich kleiner ist, als die Hochhäuser – für einen Aussichtsturm doch eher etwas untypisch. Am Plaza angekommen, sahen wir sie schon von weitem, eine riesige Herde Longhorns aus Bronze, welche in einem Park aufgestellt sind. Der sogenannte Cattle Drive soll an die damalige Zeit, im 1900 Jahrhundert erinnern und ist ziemlich cool anzusehen. Rund 40 große Longhorns und 3 Cowboys sind aufgestellt. Diese führen von einem kleinen Felsvorsprung runter und über einen Fluss. Die Tiere sind ziemlich hoch, trotzdem laden sie förmlich dazu ein, bestiegen zu werde und ein Bild zu machen. Gedacht, getan und schon sprang Andreas auf ein Longhorn, riss sich dabei die Hose kaputt und verbrannte sich, denn die Bronzefiguren die bei 30 Grad mitten in der Sonne standen waren richtig heiß – wer hätte das nur ahnen können). Wir liefen einfach hoch und wieder runter, machten einige Fotos und liefen dann zurück zum Bus.


Wir sagten der Fahrerin einfach wohin die Reise gehen sollte und sie sagte uns Bescheid, wo wir dann aussteigen sollten. Unser nächster Stopp war der JFK Memorial Plaza, wo ein leeres Grab aufgestellt sein sollte. Das Grab stellte sich als ein nach oben hin offenen Würfel heraus, der in der Mitte einen kleinen Gedenkstein mit seinem Namen hatte. Schon eine bedrückende Stimmung. Auf der anderen Straßenseite befindet sich ein sehenswerter kleiner Park mit Bänken, Wasserspiel und einer historischen Hütte. Wir spazierten noch ein wenig durch das West End Viertel, gingen ein wenig durch die Läden, kauften einen Texasstern als Weihnachtsbaumaufhänger, machten ein paar Bilder und legten eine kurze Trinkpause in dem wohl dreckigsten und schlechtesten Lokal des ganzen Stadtteils, dem Gator ein. Was für ein Scheißladen… die Dachterasse hatte uns irgendwie angelacht, aber das hätten wir ignorieren sollen. Der Laden war staubig, schmutzig, ungemütlich, hatte eine miese Getränke- und Essensauswahl und das Servicepersonal hatte von Service noch nicht viel gehört. Auf der Terasse gab es nur Plastikstühle, es standen offene Mülleimer rum und der Ausblick war quasi nicht vorhanden. Am liebsten wären wir bereits nach 10 Minuten wieder gegangen, nur leider hatte sich unsere Bedienung in Luft aufgelöst und es war niemand mehr da, der sich um den Service kümmern wollte.


Wir waren froh, als wir dann endlich wieder im Auto saßen und uns Richtung Motel in Arlington auf den Weg machten. Arlington liegt quasi genau in der Mitte zwischen Dallas und Fort Worth und war von beidem nur 30 Minuten entfernt. Die Hotels in Dallas waren einfach viel zu teuer und da wir am nächsten Tag eh eine Tour durch das Stadion der Dallas Cowboys planten (welches in Arlington steht), war dies der perfekte Ort um seine Zelte aufzuschlagen.
Die Fahrt zum Hotel zog sich leider wieder einmal ewig hin, denn wir standen zur Abwechslung mal wieder im Stau. Es gab in und um Dallas und Fort Worth unzählige Baustellen, die ganze Highwayabschnitte sperrten und damit den Verkehr ziemlich chaotisch machten, da ständig irgendwelche Ausfahrten gesperrt waren oder ganze Abschnitte die das Navi kannte, einfach nicht mehr existierten.
Am Motel angekommen checkten wir nur schnell ein um dann gleich weiter nach Fort Worth zu fahren, wir wollten ins Billy Bob’s Texas, dem weltweit größtem Honky Tonk (was auch immer das sein soll). Wir zahlten die 2 Euro Eintritt und traten ein in die texanische Welt des Vergnügens. Das Lokal war riesig und hatte eigentlich alles zu bieten. Man konnte an diversen Spielautomaten Spiele spielen, es gab Billardtische, Greifarme für riesige Schaumstoffhüte, Flipper und Airhockey, es gab eine Souvenirladen, bestimmt 5-8 verschiedene Bars, einen elektrischen Bullen auf dem man für viel Geld ein Bild machen konnte, eine Bull Riding Arena für richtiges Rodeo (leider nur am Wochenende), eine riesige Tanzfläche wo tatsächlich Menschen zu normaler Partymusik diesen komischen Tanz machten (Linedance?) und natürlich ein Restaurant oder eher Bistro. Ich hatte eigentlich gedacht es sei ein Restaurant mit diversen anderen Sachen, aber es sind eher diverse andere Sachen mit einer kleinen Fressecke. Wir bestellten unser Essen an der Theke (wir saßen zunächst 5 Minuten am Tisch bis wir das Schild gelesen hatten, dass man an der Theke bestellt) und hatten bereits wenige Minuten später unser Abendessen serviert. Das Essen (Ich hatte Hühnchen und Andreas Rind und Rippchen) war ganz okay, wenn auch nicht ganz so qualitativ hochwertig wie wir dachten.
Nachdem wir ein wenig Airhockey gespielt hatten (ich habe gewonnen), viele Fotos gemacht hatten und eigentlich in jedem Winkel des Lokals mehrfach waren gingen wir raus und liefen zu den Stockyards, die wir morgen noch einmal besuchen wollten, die aber auch bei Nacht und beleuchtet sehr interessant aussahen.

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