Mittwoch, 9. November 2016

2. Tag 08.11.2016 Pittsburgh (Election Day)


Die Nacht war kurz, sehr kurz. Bereits um 5 Uhr waren wir hellwach, Jetlag sei Dank. Natürlich konnte man um diese Uhrzeit noch nicht wirklich viel machen, zumal alle anderen noch schliefen. So gingen wir den Morgen doch recht gemütlich an, etwas am iPad/Laptop spielen, quatschen und sich zu zwingen wieder einzuschlafen. Es half aber alles nichts, wir konnten einfach nicht mehr schlafen und das obwohl das Bett richtig bequem ist. Kira war so nett (bzw. hatte vermutlich auch keine große Wahl) und hat uns ihr Zimmer für die Zeit überlassen und so hatten wir neben dem großen Bett auch ein eigenes, angrenzendes Badezimmer, was natürlich richtig cool ist.

Um 8 Uhr gaben wir dann schließlich auf. Wir machten uns fertig und wollten hierfür die Handtücher aus dem im Flur gelegenen Schrank holen. Dies stellte sich jedoch als schwieriger als gedacht heraus, da Cassie, der 1,5 jährige Labrador sofort bellend auf mich zugelaufen kam, sobald ich einen Schritt in Richtung Kinderzimmer von Jack machte. Mir blieb also nichts anderes übrig als schnell zurück ins Zimmer zu rennen und Andreas vorzuschicken. Der Hund brauchte scheinbar einfach noch etwas Zeit um mich kennenzulernen,  er wurde erst nach meinem letzten Besuch gekauft und dafür die Katze Charlie, die zwar echt etwas eigenartig, aber sehr liebenswert war, abgegeben. Ich vermisse Charlie. Die mochte mich jedenfalls auf Anhieb.

Da heute „Elecation Day“ war,  also die Wahl zwischen Pest und Cholera, hatten die Kinder Schulfrei (in den Schulen befinden sich die Wahllokale) und so konnten wir den Tag ganz entspannt gemeinsam angehen. Sam war noch immer bei einem Freund in Ohio und so gingen wir mit Esther,
Jack, Kira und diversen Freunden zu  Panera Bread  frühstücken. Wir lieben diesen Laden, weil die einfach echt leckeres Essen machen. Besonders die Suppen in einem ausgehülltem Brot sind bei uns besonders beliebt. Die gab es natürlich aber um diese Uhrzeit nicht, sondern Frühstückssandwiches. Die Kinder haben danach noch etwas die Mall bzw. den Spielzeugladen unsicher gemacht und wir saßen und quatschten ein wenig. Obwohl noch nicht einmal Thanksgiving war, fangen hier schon die ersten Weihnachtsvorbereitungen an. Das Weihnachtsdorf, samt eines Stuhls für den Weihnachtsmann (für die Bilder mit den Kindern) und diverse Lichter waren bereits aufgebaut. Wann der Weihnachtsmann jedoch kam stand dort leider nicht, hätte ich gerne noch besucht. Eigentlich kaum zu glauben, dass schon bald wieder
Weihnachten/Winter ist, insbesondere dann, wenn man sich die Kleidung der amerikanischen Kinder anschaut. So liefen eigentlich sämtliche Kinder mit T-Shirt und kurzer Hose (und damit meine ich die Länger von Hotpants) rum und Jacken scheinen eher etwas für ältere Leute zu sein (also uns). Auch einen zunehmenden Trend von Socken in Sandalen, den man ja eher von dickbäuchigen, deutschen Touristen auf Mallorca kennt, konnten wir feststellen. Kira und ihre Freundinnen trugen allesamt weiße Tennissocken, kurze Hose und Birkenstocks – ein echt seltsames Bild, in Anbetracht der Jahreszeit und des eher mildem Wetters.  
Nach einer kurzen Pause und einem kleinen Mittagsschlaf von Andreas,  stand erst einmal Lasertag mit Jack und seinen Freunden auf dem Programm. Wir spielen gerne Lasertag und finden es besonders in den USA cool, da das Spielsystem sich von dem in Bremen unterscheidet. Hier gibt es nur 2 Teams die auf unterschiedlichen Arealen aufgeteilt sind.     Man sieht  an der Wand den aktuellen Score und muss nachdem man zweimal getroffen wurde seine Pistole neu aufladen.


Es hat auf alle Fälle riesig Spaß gemacht und ist bei 3 Runden auch echt anstrengend. Man versucht ja schon so viele wie möglich zu erwischen, rennt zu den Auflade Stationen, wenn mal wieder die „Patronen“ ausgegangen sind
und ist ja doch die ganze Zeit recht flink unterwegs. Es ist auf alle Fälle ein riesiger Spaß. Wir haben insgesamt drei Runden gespielt und ich war immer im Team der Verlierer, irgendwie muss ich etwas falsch gemacht haben. In der ersten Runde habe ich mich tatsächlich noch ganz gut geschlagen, aber das nahm von Mal zu Mal immer mehr ab. Bei Andreas war das genau andersherum. In der ersten Runde hatte er noch nicht einmal verstanden wo er hinzielen muss um die Leute zu treffen (trotzdem hatte er es geschafft 9 Leute abzuschießen) und in der letzten Runde war er der „most

valuable player“, also quasi der wertvollste Spieler mit den meisten Punkten. Da wir allerdings diese Runde mit riesigem Abstand verloren hatten, war er wohl er der am „wenigste blinde Spieler“, aber auch dies gab einen Gutschein für ein kostenloses Spiel beim nächsten Besuch.

Nach dem Lasertag ging es erst einmal wieder zum Essen, immerhin mussten die zuvor abtrainierten
Kalorien in Form von Tacos, Burritos und Co wieder angefressen werden. Da auf unserer To-eat-Liste auch Taco Bell aufgeführt wurde, kam uns dies ganz gelegen. Der restliche Tag verlief eher ruhig und gelassen. Wir machten nicht mehr viel und warteten auf die ersten Hochrechnungen der Wahl. Da es hier jedoch mehrere Zeitzonen gibt, zog sich dies etwas hin. Erst gegen 22 Uhr konnten wir die ersten, sicheren Ergebnisse sehen. Auch wenn es die wenigstens glauben wollten, das Land verfärbte sich zunehmenden in Rot und nur wenige Staaten erhielten die erhoffte blaue Farbe, es machte den Eindruck als würde Trump die diesjährige Wahl gewinnen.
Auch wenn dies natürlich kein Ergebnis war, was ich mir wünschte, so hatte ich doch damit gerechnet. Generell ist es doch recht faszinierend mit anzusehen, wie Wahlen in Amerika ablaufen und damit meine ich nicht das Wahlsystem mit den Wahlmännern oder den All-or-nothing-Prinzip, sondern eher die Menschen. Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man an sehr vielen Häusern die Wahlfähnchen der einzelnen Kandidaten (und auch hier überwiegte zwar Clinton, jedoch sah ich auch sehr viele von Trump) und immer wieder Menschen, die mit einem Sticker („I voted“) auf der Brust rumstolzierten, so wie kleine Kindern nach der Turnstunde die einen Sticker für die tolle Leistung erhielten. Es ist schon ein etwas seltsames Bild erwachsende mit solchen Stickern zu sehen, als ob sie etwas Besonderes geleistet hätten und nicht gerade ihrer Bürgerpflicht/-verantwortung nachgekommen sind.

Morgen wissen wir jedenfalls mehr, auch ob der Tag an dem Amerika endet (so hatte ihn Sam, der älteste meiner Gastkinder, genannt) eintreten würde. Da das endgültige Ergebnis erst in der Nacht veröffentlicht wird, beschlossen alle zu schlafen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen