Die Nacht war kurz, sehr kurz.
Bereits um 5 Uhr waren wir hellwach, Jetlag sei Dank. Natürlich konnte man um
diese Uhrzeit noch nicht wirklich viel machen, zumal alle anderen noch
schliefen. So gingen wir den Morgen doch recht gemütlich an, etwas am iPad/Laptop
spielen, quatschen und sich zu zwingen wieder einzuschlafen. Es half aber alles
nichts, wir konnten einfach nicht mehr schlafen und das obwohl das Bett richtig
bequem ist. Kira war so nett (bzw. hatte vermutlich auch keine große Wahl) und
hat uns ihr Zimmer für die Zeit überlassen und so hatten wir neben dem großen
Bett auch ein eigenes, angrenzendes Badezimmer, was natürlich richtig cool ist.
Um 8 Uhr gaben wir dann schließlich
auf. Wir machten uns fertig und wollten hierfür die Handtücher aus dem im Flur
gelegenen Schrank holen. Dies stellte sich jedoch als schwieriger als gedacht
heraus, da Cassie, der 1,5 jährige Labrador sofort bellend auf mich zugelaufen
kam, sobald ich einen Schritt in Richtung Kinderzimmer von Jack machte. Mir
blieb also nichts anderes übrig als schnell zurück ins Zimmer zu rennen und
Andreas vorzuschicken. Der Hund brauchte scheinbar einfach noch etwas Zeit um
mich kennenzulernen, er wurde erst nach
meinem letzten Besuch gekauft und dafür die Katze Charlie, die zwar echt etwas
eigenartig, aber sehr liebenswert war, abgegeben. Ich vermisse Charlie. Die
mochte mich jedenfalls auf Anhieb.
Da heute „Elecation Day“ war, also die Wahl zwischen Pest und Cholera, hatten
die Kinder Schulfrei (in den Schulen befinden sich die Wahllokale) und so
konnten wir den Tag ganz entspannt gemeinsam angehen. Sam war noch immer bei
einem Freund in Ohio und so gingen wir mit Esther,
Jack, Kira und diversen
Freunden zu Panera Bread frühstücken. Wir lieben diesen Laden, weil die
einfach echt leckeres Essen machen. Besonders die Suppen in einem ausgehülltem
Brot sind bei uns besonders beliebt. Die gab es natürlich aber um diese Uhrzeit
nicht, sondern Frühstückssandwiches. Die Kinder haben danach noch etwas die
Mall bzw. den Spielzeugladen unsicher gemacht und wir saßen und quatschten ein
wenig. Obwohl noch nicht einmal Thanksgiving war, fangen hier schon die ersten
Weihnachtsvorbereitungen an. Das Weihnachtsdorf, samt eines Stuhls für den
Weihnachtsmann (für die Bilder mit den Kindern) und diverse Lichter waren
bereits aufgebaut. Wann der Weihnachtsmann jedoch kam stand dort leider nicht,
hätte ich gerne noch besucht. Eigentlich kaum zu glauben, dass schon bald
wieder Weihnachten/Winter ist, insbesondere dann, wenn man sich die Kleidung der amerikanischen Kinder anschaut. So liefen eigentlich sämtliche Kinder mit T-Shirt und kurzer Hose (und damit meine ich die Länger von Hotpants) rum und Jacken scheinen eher etwas für ältere Leute zu sein (also uns). Auch einen zunehmenden Trend von Socken in Sandalen, den man ja eher von dickbäuchigen, deutschen Touristen auf Mallorca kennt, konnten wir feststellen. Kira und ihre Freundinnen trugen allesamt weiße Tennissocken, kurze Hose und Birkenstocks – ein echt seltsames Bild, in Anbetracht der Jahreszeit und des eher mildem Wetters.
Nach einer kurzen Pause und einem
kleinen Mittagsschlaf von Andreas, stand
erst einmal Lasertag mit Jack und seinen Freunden auf dem Programm. Wir spielen
gerne Lasertag u
nd finden es besonders in den USA cool, da das Spielsystem sich
von dem in Bremen unterscheidet. Hier gibt es nur 2 Teams die auf unterschiedlichen
Arealen aufgeteilt sind. Man sieht an der Wand den aktuellen Score und muss
nachdem man zweimal getroffen wurde seine Pistole neu aufladen.
Es hat auf alle Fälle riesig Spaß
gemacht und ist bei 3 Runden auch echt anstrengend. Man versucht ja schon so
viele wie möglich zu erwischen, rennt zu den Auflade Stationen, wenn mal wieder
die „Patronen“ ausgegangen sind
und ist ja doch die ganze Zeit recht flink
unterwegs. Es ist auf alle Fälle ein riesiger Spaß. Wir haben insgesamt drei
Runden gespielt und ich war immer im Team der Verlierer, irgendwie muss ich
etwas falsch gemacht haben. In der ersten Runde habe ich mich tatsächlich noch
ganz gut geschlagen, aber das nahm von Mal zu Mal immer mehr ab. Bei Andreas
war das genau andersherum. In der ersten Runde hatte er noch nicht einmal
verstanden wo er hinzielen muss um die Leute zu treffen (trotzdem hatte er es
geschafft 9 Leute abzuschießen) und in der letzten Runde war er der „most
valuable player“, also quasi
der wertvollste Spieler mit den meisten Punkten. Da wir allerdings diese Runde
mit riesigem Abstand verloren hatten, war er wohl er der am „wenigste blinde
Spieler“, aber auch dies gab einen Gutschein für ein kostenloses Spiel beim
nächsten Besuch.
Nach dem Lasertag ging es erst
einmal wieder zum Essen, immerhin mussten die zuvor abtrainierten
Kalorien in
Form von Tacos, Burritos und Co wieder angefressen werden. Da auf unserer
To-eat-Liste auch Taco Bell aufgeführt wurde, kam uns dies ganz gelegen. Der restliche Tag verlief eher
ruhig und gelassen. Wir machten nicht mehr viel und warteten auf die ersten Hochrechnungen
der Wahl. Da es hier jedoch mehrere Zeitzonen gibt, zog sich dies etwas hin.
Erst gegen 22 Uhr konnten wir die ersten, sicheren Ergebnisse sehen. Auch wenn
es die wenigstens glauben wollten, das Land verfärbte sich zunehmenden in Rot
und nur wenige Staaten erhielten die erhoffte blaue Farbe, es machte den
Eindruck als würde Trump die diesjährige Wahl gewinnen.
Auch wenn dies natürlich kein
Ergebnis war, was ich mir wünschte, so hatte ich doch damit gerechnet. Generell
ist es doch recht faszinierend mit anzusehen, wie Wahlen in Amerika ablaufen
und damit meine ich nicht das Wahlsystem mit den Wahlmännern oder den
All-or-nothing-Prinzip, sondern eher die Menschen. Wenn man durch die Straßen
fährt, sieht man an sehr vielen Häusern die Wahlfähnchen der einzelnen
Kandidaten (und auch hier überwiegte zwar Clinton, jedoch sah ich auch sehr
viele von Trump) und immer wieder Menschen, die mit einem Sticker („I voted“)
auf der Brust rumstolzierten, so wie kleine Kindern nach der Turnstunde die
einen Sticker für die tolle Leistung erhielten. Es ist schon ein etwas
seltsames Bild erwachsende mit solchen Stickern zu sehen, als ob sie etwas Besonderes
geleistet hätten und nicht gerade ihrer Bürgerpflicht/-verantwortung
nachgekommen sind.
Morgen wissen wir jedenfalls mehr,
auch ob der Tag an dem Amerika endet (so hatte ihn Sam, der älteste meiner
Gastkinder, genannt) eintreten würde. Da das endgültige Ergebnis erst in der
Nacht veröffentlicht wird, beschlossen alle zu schlafen.
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